Es ist viel passiert, seit Sein ihr letztes Album präsentierten. Besser sind die Zeiten nicht geworden. Doch Musu Meyer und ihre Musikanten klagen nicht, sondern spielen dem schnöden Schicksal gut gelaunte Gassenhauer um die Ohren.
«Komm Bruno, lass uns tanzen», hiess vor zwei Jahren die letzte CD von Sein. Sie bescherte der Zürcher Band um Musu Meyer einen ganzen Reigen denkwürdiger Konzerte: vier Samstage als Monatsband im Helsinki, ein Gastspiel im Moods, Auftritte in Pavillons und Schlössern. Und so allmählich wunderte sich das Orchester, dass zwischen den Nachtschattengewächsen und Kleinkunstliebhabern immer mehr neue Gesichter im Publikum auftauchten. Als würde diese aus der Zeit gefallene Band auf einmal bei vielen Zeitnossen einen Nerv treffen. Als hätten wir Heutigen unseren Musikgeschmack entrümpelt und wären endlich bereit für diese Musik aus einer fremden, seltsamen Welt.
Doch während Sein auf der Bühne standen, veränderte sich der kleine Kosmos um sie herum. In Bruno’s Bar, aus der Musu Meyer so viele Geschichten zu erzählen wusste, gingen die Lichter aus. Die ganzen Grüsel, Schwerenöter, Schluckspechte und sonstigen schrägen Vögel verloren ihren Heimathafen. «Die Rechnung bitte» heisst Sein’s Album für die neue Ära. Nun trifft man sich in Harry’s Trinksalon, doch die Gemütlichkeit von Bruno’s Bar ist dahin. Bei Harry gibt’s nur noch Verzweiflung, die sich aus der Einsicht speist, dass es schlimmer nun schlicht nicht mehr geht.
Doch Musu Meyer begegnet diesem Unbill nicht mit einer Platte voller Klagelieder. Dafür hat sie schon zu viel gesehen. Sie wirft dem Schicksal, das ihren Leuten so übel mitspielt, ein dreckiges Lachen ins Gesicht und singt dazu ein paar gut gelaunte Gassenhauer. Wenn es uns schon lausig geht, dann wollen wir uns dabei doch bitte schön ein wenig amüsieren. Und so führt Musu ihre Musikanten durch ein ausgesprochen abwechslungsreiches Repertoire. Erstmals hat sie für einige Lieder den Pianisten Michi Reimann ins Studio geladen, der einem Lied wie «Ich bin alleine» die Melodieseligkeit eines Schlagers aus der Wirtschaftwunderzeit verleiht – es versteht sich von selbst, dass Frau Meyer deswegen noch lange nicht das Heimchen am Herd gibt.
Schon immer verstand es Musu Meyer drastische Darstellungen mit poetischen Formulierungen zu verknüpfen. «Auf die Rechnung bitte» agiert sie dabei mit einer Leichtigkeit, die selbst ein schnödes Wort wie «Fluglärmgegner» liedfähig macht. Die Band verleiht den himmeltraurigen Geschichten derweil mit Flöten, Fiedeln und Akkordeon diesen speziellen Schwung, der das ganze Elend tanzbar macht. Und so trist es in Harry’s Trinksalon auch zugehen mag – so lange Sein spielen, nehmen wir gern noch ein Glas, zünden uns eine Zigarette an und summen leise mit.

| Gesamtes Album | 11:22 | |||
| Ich war nie 'ne graue Maus | 4:19 |
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| Ich möchte keine Reise nach Hawaii | 2:30 |
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| Lied vom letzten Ehrenmann | 4:33 |
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| Gesamtes Album | 11:05 | |||
| Helmut | 2:34 |
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| Lied von der Langeweile | 5:19 |
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| Sylvester | 3:12 |
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Musu Meyer, Co-Wirtin der Meyer's Bar beim Lochergut in Zürich schreibt die Songs. Diese handeln von Trunkenbolden, die sich schon mal raufen, oder von alleingelassenen Mädchen, deren Liebster
mehr…Brecht-Weill, Lotte Lenya, Musik aus der Weimarer Zeit, Tom Waits, David Lynch, Frederic Chopin
2008: “Die Rechnung bitte”
2006: “Komm Bruno, lass uns tanzen”
2003: “Umtrunk”
2001: Musu Meyer solo: “Das süsse Leben”
1998: “Misanthropolis”
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